In ein paar Sätzen, was sage ich zu dem Aufenthalt:
- Es war eine der besten Entscheidungen und Zeiten meines bisherigen Lebens.
- Ja es ist möglich in einem schwierigen Umfeld sehr zufrieden zu sein. Bei mir waren v.a. 6 Dinge entscheidend:
1. Die Arbeit in der ich so spannende Sachen machen und lernen durfte.
2. Die Menschen in Palästina, die trotz aller Schwierigkeiten so herzlich sind.
3. Meine Mitbewohnerin Madeline, mit der ich viele Dinge besprechen und verarbeiten konnte die wir so erlebt und gesehen habe und mein Chef, der mir immer den Rücken gestärkt hat sowie einige gute Freunde u.a. die Schwestern die immer da waren.
4. Die Komplexität der politischen und gesellschaftlichen Situation dort, die mich geistig super gefordert hat und mir jetzt das Gefühl gibt, von der Welt etwas mehr verstanden zu haben. Wenn ich jetzt die Zeitung aufschlage macht alles so viel mehr Sinn und hängt so viel mehr zusammen, sei es Sudan oder sonst eine Gegend.
5. Die unendliche Fülle an Kultur die dort zusammentrifft: Arabisch muslimisch, Arabisch christlich und Jüdisch, die natürlich alle ein vielfältiges kulturelles Angebot bietet. Dazu die Sprache die ich etwas gelernt habe und das Land an sich mit seinen beeindruckenden Landstrichen.
6. Meine persönliche Entwicklung und die Entscheidungen die ich treffen konnte, also das, was mich jetzt maßgeblich begleiten wird. Beispielsweise die Entscheidung über mein Studium, die Schwerpunkte, wie ich selbst bin, das Verhältnis zu bestimmten Menschen, das was mir wichtig ist…
Ob ich es schade finde, weggegangen zu sein?
Nus Nus – arabisch für halb halb.
Einerseits bin ich froh, jetzt in einem weniger anstrengenden und zehrenden Umfeld leben zu können, kein Gaza, keine aufdringlichen Typen, keine berechnenden Menschen, keine Kontrollen!!!, keine ständige Befürchtung, demnächst entdeckt zu werden. Ich freue mich auch auf das was jetzt kommt und vermute, dass das Leben in Palästina irgendwann auch zum Trott geworden wäre.
Andererseits habe ich sehr emotionale Freundschaften geschlossen und es fällt mir schwer jetzt wegzugehen in dem Wissen, dass morgen auch in der Westbank ein Krieg ausbrechen kann, und dass dann die Kinder meiner Kollegen, der Ärzte und Schwestern, verletzt werden usw. Auch hatte ich das Gefühl, dass ich erst gegen Ende die Organisation so richtig – falls man das jemals behaupten kann – verstanden hatte, wusste, mit wem kann ich reden, wer hat Einfluss auf was, wen sollte ich besser umgehen. So konnte ich z.B. in dem letzten kleinen Projekt das ich hatte ziemlich schnell einen Überblick bekommen und die Entscheidungsmöglichkeiten darlegen und evaluieren, obwohl ich vorher noch nie mit der Komplexität einer Hospital Pharmacy zu tun hatte. Insofern ist es schade, an diesem Punkt aufzuhören.
Ich habe aber versprochen, mir im Kopf zu behalten, dass ich jederzeit zurückkkommen kann und dass ich mich außerdem nach jemandem umschaue, der sich für ein ähnliches Praktikum interessiert.
An dieser Stelle möchte ich euch allen ganz herzlich danken, die ihr euch für mich und meinen Aufenthalt interessiert habt, die ihr mich unterstützt habt in jeglicher verschiedener Form, z.B. am Anfang durch wissenschaftliches Material, durch Tipps per Skype, durch Gespräche, durch Briefe oder Päckchen, durch die Kleidungsspende an Teddy, durch Anrufe, durch Besuche, Nachfragen, durch die Betreuung vor Ort etc.
Für alle, die noch mehr Eindrücke gewinnen möchten, habe ich auf Picasa Fotos hochgeladen, die ich immer wieder aktualisiert und erweitert habe. Vielleicht wundert ihr euch über die Aussage von dem einen oder anderen Bild, aber bei genauem Hinschauen gibt es bei jedem etwas Spannendes zu entdecken und eine Geschichte zu erzählen. Fragt mich danach wenns euch interessiert! http://picasaweb.google.de/susanneluisa/BethlehemOktober?authkey=6rCJgCDkzes&feat=directlink
Liebe Grüße, lieben Dank, Alles Gute!
Susanne