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Abschied

In ein paar Sätzen, was sage ich zu dem Aufenthalt:

- Es war eine der besten Entscheidungen und Zeiten meines bisherigen Lebens.

- Ja es ist möglich in einem schwierigen Umfeld sehr zufrieden zu sein. Bei mir waren v.a. 6 Dinge entscheidend:

1. Die Arbeit in der ich so spannende Sachen machen und lernen durfte.

2. Die Menschen in Palästina, die trotz aller Schwierigkeiten so herzlich sind.

3. Meine Mitbewohnerin Madeline, mit der ich viele Dinge besprechen und verarbeiten konnte die wir so erlebt und gesehen habe und mein Chef, der mir immer den Rücken gestärkt hat sowie einige gute Freunde u.a. die Schwestern die immer da waren.

4. Die Komplexität der politischen und gesellschaftlichen Situation dort, die mich geistig super gefordert hat und mir jetzt das Gefühl gibt, von der Welt etwas mehr verstanden zu haben. Wenn ich jetzt die Zeitung aufschlage macht alles so viel mehr Sinn und hängt so viel mehr zusammen, sei es Sudan oder sonst eine Gegend.

5. Die unendliche Fülle an Kultur die dort zusammentrifft: Arabisch muslimisch, Arabisch christlich und Jüdisch, die natürlich alle ein vielfältiges kulturelles Angebot bietet. Dazu die Sprache die ich etwas gelernt habe und das Land an sich mit seinen beeindruckenden Landstrichen.

6. Meine persönliche Entwicklung und die Entscheidungen die ich treffen konnte, also das, was mich jetzt maßgeblich begleiten wird. Beispielsweise die Entscheidung über mein Studium, die Schwerpunkte, wie ich selbst bin, das Verhältnis zu bestimmten Menschen, das was mir wichtig ist…

_mg_2278Ob ich es schade finde, weggegangen zu sein?

Nus Nus – arabisch für halb halb.

Einerseits bin ich froh, jetzt in einem weniger anstrengenden und zehrenden Umfeld leben zu können, kein Gaza, keine aufdringlichen Typen, keine berechnenden Menschen, keine Kontrollen!!!, keine ständige Befürchtung, demnächst entdeckt zu werden. Ich freue mich auch auf das was jetzt kommt und vermute, dass das Leben in Palästina irgendwann auch zum Trott geworden wäre.

Andererseits habe ich sehr emotionale Freundschaften geschlossen und es fällt mir schwer jetzt wegzugehen in dem Wissen, dass morgen auch in der Westbank ein Krieg ausbrechen kann, und dass dann die Kinder meiner Kollegen, der Ärzte und Schwestern, verletzt werden usw. Auch hatte ich das Gefühl, dass ich erst gegen Ende die Organisation so richtig – falls man das jemals behaupten kann – verstanden hatte, wusste, mit wem kann ich reden, wer hat Einfluss auf was, wen sollte ich besser umgehen. So konnte ich z.B. in dem letzten kleinen Projekt das ich hatte ziemlich schnell einen Überblick bekommen und die Entscheidungsmöglichkeiten darlegen und evaluieren, obwohl ich vorher noch nie mit der Komplexität einer Hospital Pharmacy zu tun hatte. Insofern ist es schade, an diesem Punkt aufzuhören.

Ich habe aber versprochen, mir im Kopf zu behalten, dass ich jederzeit zurückkkommen kann und dass ich mich außerdem nach jemandem umschaue, der sich für ein ähnliches Praktikum interessiert.

An dieser Stelle möchte ich euch allen ganz herzlich danken, die ihr euch für mich und meinen Aufenthalt interessiert habt, die ihr mich unterstützt habt in jeglicher verschiedener Form, z.B. am Anfang durch wissenschaftliches Material, durch Tipps per Skype, durch Gespräche, durch Briefe oder Päckchen, durch die Kleidungsspende an Teddy, durch Anrufe, durch Besuche, Nachfragen, durch die Betreuung vor Ort etc.

Für alle, die noch mehr Eindrücke gewinnen möchten, habe ich auf Picasa Fotos hochgeladen, die ich immer wieder aktualisiert und erweitert habe. Vielleicht wundert ihr euch über die Aussage von dem einen oder anderen Bild, aber bei genauem Hinschauen gibt es bei jedem etwas Spannendes zu entdecken und eine Geschichte zu erzählen. Fragt mich danach wenns euch interessiert!   http://picasaweb.google.de/susanneluisa/BethlehemOktober?authkey=6rCJgCDkzes&feat=directlink

Liebe Grüße, lieben Dank, Alles Gute!

Susanne

Am Donnerstagabend landete mein Flugzeug in München. Ich war ziemlich erledigt von den Strapazen der Ausreise, denn in meinem Fall galt es extra vorsichtig zu sein, damit keiner Verdacht über meine Arbeit in den vergangenen 4 Monaten schöpft, vor allem nicht, dass ich das auch noch im verfeindeten Palästina gemacht habe. Da es in Palästina keinen Flughafen gibt, müssen alle Ausländer über die Grenze nach Israel, was ja wirklich in 3 Min. Entfernung von Bethlehem liegt, und dann ab Tel Aviv abfliegen. Schon am Checkpoint zw. Palästina und Israel wurde ich wg meines Koffers befragt, kam aber ohne explizite Kofferkontrolle durch. Dann am Flughafen, bevor wir überhaupt auf das Gelände fahren konnten, wurden wir an einer Kontrollstelle gefragt wo wir herkommen, und durften wieder auf keinen Fall Palästina sagen. Nächster Check war dann beim Eingang in den Flughafen, und das war der kritischste. Denn dort stehen pro Passagier zwei Befragerinnen, die nacheinander die Person befragen was sie gemacht habe. Sie stimmen sich dann ab und prüfen die Antworten auf Konsistenz. Wer Pech hat und zu nervös wirkt oder sich verplappert der muss stundenlang in ein Büro und wird da nochmal intensiv befragt. Um es vorweg zu nehmen, ich hatte Glück und bin recht zügig und ohne verdächtigt zu werden durchgekommen. Aber ich hatte auch unzählige Vorsichtsmaßnahmen getroffen, die mich einige Stunden Schlaf und einige Nerven kosteten. Z.B. habe ich in meinen Pass einen kleinen Prospekt von einer Pro-Israelischen Umweltschutzorganisation gelegt, der dann zufällig absichtlich rausgefallen ist, als die Dame den Pass geöffnet hat, und von dem ich mir erhofft habe, dass sie ihn mit Susanne = Pro Israel assoziiert und unterbewusst weniger an Arbeit oder Palästina denkt. Auf ihre ganzen Fragen hatte ich schlüssige Antworten parat, die sicher für einen äußerlichen Betrachter ziemlich „schmalzig“ gewesen sind, aber sie hat es mir geglaubt. Z.B. habe ich überzeugend erzählt, dass es mir ein Herzenswunsch war, das Land, in dem mein verstorbener Vater in meinem Alter gereist ist, ebenfalls zu besuchen (dass er da war stimmt, dass er tot ist auch, aber der Rest nicht). Und dass ich das Land so lieb gewonnen habe, dass ich vier Familienmitglieder und Freunde eingeladen habe, die nacheinander kamen. Das erklärte zum einen die lange Dauer meines Aufenthalts, denn ich musste ja die ganzen Sehenswürdigkeiten 3fach anschauen. Zum anderen erklärte es meinen ägyptischen Stempel im Pass, denn meine Mutter wollte „unbedingt“ im roten Meer schnorcheln gehen. Dass die Ausreise einzig deshalb war, dass ich bei der Wiedereinreise am nächsten Tag ein neues Visum bekomme, das hat sie dann nicht mehr vermutet. Was dann ein weiterer strategisch kluger Punkt an der Befragung war ist, dass ich auf die Frage, ob mir jemand etwas gegeben hat, mit „Ja“ geantwortet habe. Ich habe auf eine Packung Kekse in meinem Rucksack verwiesen, die mir vermeintlich eine Mitfahrerin im Sammeltaxi zum Flughafen gegeben hat. Sie waren verwundert, dass ich sowas annehme, aber sie haben sich dann so darauf konzentriert das zu prüfen ob da Sprengstoff drin ist, und waren vermutlich von meiner Ehrlichkeit auch ein wenig geblendet, dass sie nicht weiteren Verdacht geschöpft haben und mich so quasi nicht in Erklärungsnot gebracht haben.

Als diese Befragung dann zu Ende war kam die intensive Kofferkontrolle, wo ziemlich der gesamte Inhalt meines Koffers einzeln geprüft wurde. Die Damen tasteten ihn mit Spezialgeräten auf Sprengstoffspuren und Geld ab. Ich habe mich mit Ipod und Sonnenbrille demonstrativ lässig danebengesetzt und mich ein wenig über die Peniblität amüsiert. Z.B. als sie mein Deo, meine Zahnpasta und meine Gesichtscreme genau inspiziert haben, dann geöffnet haben und Proben genommen und geprüft haben. Interessanterweise haben sie mich nicht zu meinen Palästinenserschals befragt, die ich im Seitenfach bei der Schmutzwäsche deponiert gehabt hatte.

Glücklicherweise kam auch mein Computer nicht unter die Lupe, was manchmal der Fall ist, wenn sie die Festplatte kopieren. Ich hatte zwar alles arbeitsbezogene auf CD gebrannt und nach Hause geschickt, alle Temp-Dateien und Lesezeichen gelöscht, aber ich vermute selbst dann gibt es spezielle Programme, um diese Daten wieder rauszuholen.

Wie dem auch sei, nach der intensiven Handgepäckskontrolle konnte ich dann endlich ins Flugzeug steigen und bin jetzt wieder in Deutschland… Am nächsten Morgen bei meinem ersten Spaziergang war ich zu Tränen gerührt von München wo alles so heil und auch so frei ist.

Es gibt hier eine Zone, die liegt außerhalb des abgegrenzten Stadtgebiets von Bethlehem (Zone A) in einem Gebiet namens Zone C, die zwar in der Westbank liegt aber komplett unter israelischer Herrschaft steht. Palästinenser dürfen durch diese Zone (die über 50% ihres eigenen Landes ausmacht) zwar durchfahren, aber sie dürfen weder bauen noch sonst das Land bewirtschaften. Aus der Zeit vor diesem Abkommen (Oslo-Verträge) stehen dort noch Häuser, unter anderem ein Restaurant in dem ich gestern war.

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Originalfoto von der Couchsurfing Website

Dort traf ich dann eine ganze Bande „Öko-Israelis“ mit Dreadlocks und ganz viel Gras in den Zigaretten, die sich zum „walkforlove“-Movement zusammengschlossen haben, und jetzt in Israel den Frieden predigen gehen. Und es war total interessant mich  mit diesen Leuten zu unterhalten und zu hören, was sie überhaupt über die Palästinenser wissen.

Z.B. denken sie, alle sind gewalttätig, und es ist ein super mutiger Akt von ihnen, jetzt einen Fuß auf deren Gebiet zu setzen oder gar in ein Restaurant zu gehen. Wir sind dann nach dem Essen noch wirklich ins palästinensische Gebiet, d.h. Zone A, hineingefahren, und nach 3 Min. sind sie aber umgekehrt, weil es ihnen doch zu riskant war.

Heute hat mir einer davon eine Mail geschickt und gemeint, wie mutig er es von mir finde hier zu leben.

In dem Gespräch über das Wissen über die Palästinenser kamen wir auch dazu, was ihnen denn in der Army darüber beigebracht wird. Dort wurde gesagt, alles was arabisch spreche sei stark verdächtig. Die jungen Leute selbst sprachen selbst sogar ein wenig arabisch, so genanntes „Checkpoint Arabisch“ was bedeutet Worte wie „Stanley Schwei“ und dazu die typische drohende Handbewegung, was so viel heißt wie „Warte ein wenig“.

Interessant daran war gerade die Tatsache, DASS sie zur Army gegangen sind. Denn wenn schon so Peace-freundlich, dann könnten sie ja mal konsequent sein. Aber nein, 1. man komme in Israel ins Gefängnis 2. macht es jeder, 3. hat man ziemliche Nachteile, wenn im Lebenslauf keine Army auftaucht.

Noch etwas ist mir dadurch nochmals bewusst geworden: Wenn jemand in einem Bereich (Frieden) eine gute Meinung hat, aber in einem anderen Bereich etwas tut, mit dem man sich persönlich überhaupt nicht anfreunden kann, dann verliert die Person an Glaubwürdikeit.

D.h. z.B. wenn diese Leute den Frieden predigen, gleichzeitig aber so leben wie die meisten Menschen nicht leben möchten, und neben dem Wert „Frieden“ den Wert „Bewusstseinserweiterung durch Drogenkonsum“ hochhalten, dann nimmt man sie nicht unbedingt ernster.

Oder, wenn ein deutscher Politiker in einer Fernsehdiskussion (Hart aber Fair vom Mittwoch) die Palästinenser verteidigt, gleichzeitig aber einen undifferenzierten und unpassenden Vergleich bringt, dann nimmt man auch ihn nicht ernst.

Gerade ich selbst, die ich wenn ich nach Hause komme sicherlich sehr viel gefragt werde was ich für eine Meinung habe, muss ganz arg aufpassen, nichts zu Vergleichen, gleich zu setzen, zu verallgemeinern oder mich einer Gruppe anzuschließen, die zwar 99 gute Meinungen hat, aber 1 die offensichtlich falsch ist. Mit „Gruppe“ meine ich z.B. diese ganzen Facebook-Gruppen, wo man schnell in eine Ecke geschoben wird, wenn man einer angehört.

Das ist vielleicht so ähnlich wie damals an der WHU, als ich mich selbst in die „Öko-Ecke“ manövriert habe, nur weil ich qualitativ hochwertiges Essen gegessen habe und ok, weil ich ein paar gesundheitsfördernde Maßnahmen ergriffen habe. Als außenstehende und nicht tiefgehend informierte Betrachter neigten meine werten Kommilitonen schnell zum Verallgemeinern und ich selbst habe daraus wohl meine Lesson gelernt ;-) .

Mein Fazit ist, sehr vorsichtig zu sein mit dem, was man schnell mal so sagt und mit wem man sich solidarisiert. Es ist gerade in diesem Konflikt besser, die komplex zusammenhängenden Dinge klar voneinander trennen und jeden Punkt einzeln zu beurteilen. Daher muss ich sagen: Respekt, immerhin haben sich die „kiffenden Israelis“ für Palästina interessiert! Das muss man ihnen lassen!

Glaube

Beim „Kick-Off-Day“ meiner neuen Universität gehts um das Thema „Intercultural Conflict“, d.h. die Rolle der Kultur und damit der Religion in Konflikten wie diesem hier. Seitdem ich das Programm gesehen habe, habe ich mal ganz besondere Aufmerksamkeit auf die Rolle der Religionen hier gerichtet.

Bei einem Spaziergang in Jerusalem, wo es fließend zwischen jüdischem, christlichem und muslimischen Viertel ineinander übergeht, ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie der Glaube das Verhalten von Menschen formt, und wie in dem Beispiel Menschen, die 50m voneinander entfernt wohnen, sich komplett gegensätzlich verhalten.

Wie jemand Dinge tut, die nicht zum Überleben des Menschen nötig sind und die man daher als Außenstehender als komisch empfindet. Beispielsweise dass Frauen ihre Haare auf dem Kopf komplett abrasieren und dann eine Perücke aufsetzen, um vor Gott Demut zu zeigen. Oder dass Menschen der Meinung sind, ein anderer ist „schlecht“, nur weil es in seinem heiligen Buch steht. Das ist das was der Djihad predigt. Oder dass jemand jemanden anderen als „heilig“ und „immer rechtens“ erachtet, nur weil es in der Bibel steht, dass dies und jenes das heilige Volk ist dem demnach auch das heilige Land gehört. Diese Meinung haben z.B. die „christlichen Zionisten“. Ich frage mich, wo ist denn da der Verstand?

Der Professor der die Diskussion demnächst leiten wird sagt, dass Religion eine Gefahr der Aufklärung sei. Ich muss mit meiner Erfahrung hier sagen, dass ich mir der Meinung zu einem bestimmten Teil anschließe. D.h. ich finde auch, dass es eine Gefahr sein kann, WENN man seinen gottgegebenen Verstand ausschaltet und nur irgendwelche Regeln befolgt, ohne deren Sinn zu erkennen und ohne sie auf Menschlichkeit zu prüfen.

Zu dem Problem mit dem Verstand kommt hinzu, dass es umso schlimmer ist den Verstand auszuschalten, wenn in dem heiligen Buch widersprüchliche Regeln stehen. Das ist in der Bibel so, das ist im Koran so, und in der Thora/Talmud weiß ich es nicht. Aber man kan alles immer schön interpretieren und auslegen, und man kann auch sagen, wenn man sich gut informiert, dann macht alles Sinn. Aber welcher „Normalgläubige“ macht das schon? Zumindest ich suche mir den Teil aus den ich für bare Münze nehmen will und den, den ich nur als Gleichnis sehen möchte.

Dieser Punkt ist für mich ein Grund mehr, alle Regeln und Vorgaben mit dem gesunden Menschenverstand zu prüfen. Ich persönlich bleibe auch mit diesen Erkenntnissen gläubig, fühle mich aber darin bestätigt, all meine Handlungen, religiös oder nicht, nochmal nach meinen Wertmaßstäben zu prüfen, anstatt blind etwas zu befolgen. Beispielsweise… plattes Beispiel… dass es für mich keinen Unterschied macht, ob ich zum Gebet meine Hände falte, verschränke, oder sonst etwas mache, solange das Gebet an sich dadurch nicht gestört wird. D.h. ich begreife die Regeln eher als Hilfsmittel um ein gutes Leben zu führen, aber weiß Gott nicht als Muss. Lieber verlasse ich mich auf die hinter den Regeln stehenden Werte als Leitlinien.

Und ich finde diese Erkenntnis ist doch schon mal etwas… und ganz sicher hat das Umfeld mit den vielen verschiedenen Glaubensentwürfen mir dabei geholfen, mich zu spiegeln und mir meiner Haltung bewusst und sicher zu werden. Und das ist ein Beispiel was ich jetzt aus meinem ziemlichen Inneren erzähle, um zu zeigen, in welchen Dimensionen mich diese Zeit hier geprägt hat.

Liebe Grüße

Susanne

Politik

Nachdem die Welt gerade ein klein wenig mehr als sonst in die Ecke schaut, in der ich mich gerade aufhalte, dachte ich mir, ich nutze diese Seite, um meine Begegnungen mit dem Thema Nahostkonflikt und Krieg in Gaza zusammenzutragen. Allerdings habe ich dazu eine extra „Seite“ – siehe oben rechts – dieses Blogs geöffnet, damit die Alltagsthemen und die Politikthemen von euch Lesern auch getrennt genossen werden können.

Liebe Grüße

Susanne

Lebenszeichen

Ich wollte euch nur kurz Bescheid sagen, dass bei mir noch alles sicher ist. Die Stimmung im Land ist sehr gespannt und die Menschen fürchten, dass irgendeine Aggression sich hier entlädt und auch hier zu mehr Gewalt führt.

Momentan ist Carolin zu Besuch und wir waren viel in Israel, sodass wir hier die Demonstrationen nicht gesehen haben. An ein paar Tagen war Streik und die Geschäfte waren geschlossen.

Wir hören grausame Geschichten und gestern bei einem Ausflug auf eine Anhöhe haben wir auch die Rauchschwaden über Gaza gesehen und die Detonationen gehört.

Im Krankenhaus fühlen wir uns aber sicher. Momentan sind wir eh nicht zu viel in der Lage, weil wir beide mit Grippe in unserem jeweiligen Bett liegen. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so.

Also, liebe Grüße und bis bald,

Susanne

Grüße vom Christkind

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Frohe Weihnachten

img_43691Ich möchte euch aus Bethlehem frohe Weihnachten wünschen! Dieses Jahr hatte ich ein ganz spezielles Fest hier „am Ort des Geschehens“. Und tatsächlich hat sich die Bethlehem-Geschichte ein wenig wiederholt. Zwei Anrufe kamen während unseres Weihnachtsessens: der erste von einem entfernten Bekannten aus England, der gerade hier war, es sei kalt und ob er sich bei uns aufwärmen dürfe. Auch wenn meine Schwestern Andrea und Lisa, die gerade hier sind, zuerst nicht begeistert waren unsere traditionelle Familienfeier zu verändern, haben wir den jungen Mann schließlich gerne aufgenommen und mit Andrea’s und Lisa’s leckerer Lasagne verpflegt.

img_43661Kurz darauf kam ein Anruf, ich möge doch bitte ins Krankenhaus kommen und eine Krankenhausführung geben. Auch hier dachte ich mir erst… warum muss das so kurzfristig genau an heilig Abend sein. Letztlich bin ich gegangen und habe die Leute geführt… und sie dann auch nachher zu uns in die Wohnung auf dem Krankenhausgelände eingeladen, um ein Stück Kuchen und Pfefferminztee mit uns zu trinken. Es war also wirklich Heilig Abend und alle haben sich gefreut, so unverhofft zu dieser besonderen Feier gekommen zu sein. Es war sehr berührend für alle und wir hatten das Gefühl, WIRKLICH Weihnachten in seinem ursprünglichsten Sinne zu feiern.
Anschließend sind wir in die Geburtskirche gefahren und haben den Mitternachtsgottesdienst besucht. Wir waren sehr früh dran und haben 3 Stunden vorher schon unseren Stehplatz eingenommen. Letzlich war es zwar sehr stimmungsvoll, aber auf Grund der Größe des Events mit der ganzen Prominenz und den strengen Sicherheitsvorkehrungen war der Gottesdienst selbst nicht unbedingt der Ort der Besinnung, aber sehr beeindruckend.
sus2Witzigerweise habe ich festgestellt, dass ich auf der Titelseite von sämtlichen Tageszeitungen abgebildet war, weil mein Platz genau im Sichtfeld der Fotografen, die Präsident Abbas fotografiert haben, war.

Am nächsten Tag sang ich im Chor in Jerusalem in St. Anna mit. Das Video des frz. Fernsehen dazu gibts hier: http://www.lejourduseigneur.com/index.php/jds/Programmation/France-2/Messe-du-jour-de-Noel-en-Eurovision

Anschließend waren wir bei den Schwestern zum Weihnachtsessen eingeladen. Eine ganz herzliche Feier mit den fünf Klosterschwestern, uns drei Wechslermädchen und dem deutschen Arzt Peter mit seinen Eltern!

dscn0185Und schließlich kam auch für die kleinen Patienten im Krankenhaus das Christkind und der Clown, und wir sind mit den Krankenschwestern, den Schwestern, dem Nikolaus und den Müttern durchs Krankenhaus getanzt und haben die Geschenke verteilt. (Ein wenig Babykleidung, ein wenig Schokolade und eine Babydecke für jeden). Auch wenn die meisten Familien der Patienten ja muslimisch sind und nicht Weihnachten feiern, war es für alle eine schöne Bereicherung.

Nun wünsche ich allen die meine Geschichten hier lesen ein paar ganz gemütliche Weihnachtstage und fürs nächste Jahr alles alles Gute!

Ich freue mich, wenn ich euch im nächsten Jahr wieder sehen kann. Ab 26.2. bin ich zurück in Deutschland!

Liebe Grüße

Susanne

Weihnachtsfotos gibts wie immer hier: http://picasaweb.google.de/susanneluisa/BethlehemOktober?authkey=6rCJgCDkzes&feat=directlink

Die Päckchen

Grüße vom Weihnachtsmann beim Caritas-Seniorennachmittag

Grüße vom Weihnachtsmann beim Caritas-Seniorennachmittag

Gerade zu Weihnachten ist das Thema Päckchen wieder aktuell. Daher möchte ich es heute aufgreifen, allerdings in einem entwas anderen Sinne:

„Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen“ heißt es doch im Deutschen…

Letzte Woche wurde mir wieder ganz stark bewusst: hier sind es nicht „Päckchen“ sondern Pakete oder Steine!

Beispiele:

Teddy (ca. 37 Jahre, verwitwet), von der ich hier ja schon öfters geschrieben habe, sagte mir im Vertrauen: „Ich bete dass ich sterbe, denn ich werde meinen 4 Kindern nicht Herr, ich habe kein Geld, keiner leiht mir Geld, ich weiß nicht mehr weiter“.

Eine Mutter deren Kind hier im Krankenhaus behandelt wurde erzählte mir: „Wir Frauen in dieser Gesellschaft sind zermürbt, kaputt, fühlen uns nicht als Frauen…“.

Ein anderes banaleres Beispiel: Ich treffe eine Mitarbeiterin des Krankenhauses (eine Christin) auf der Straße auf der ich mit meinem Fahrrad entlang fahre und sie sagt: „Ich würde auch gerne Fahrrad fahren, aber ich kann nicht, denn man würde mir nachpfeifen (Anmerkung: das macht man bei mir auch) und schlecht über mich reden. Ich kann auch nicht schwimmen gehen denn die Männer würden mich geistig ausziehen und mir einen schlechten Ruf in der Stadt geben.“

Die Rolle der Frau hier ist schwierig. Gründe dafür liegen teils in der traditionell patriarchisch geprägten Gesellschaft, der Religion und darin, dass die Frauen noch nicht stark genug sind, selbst die Initiative zu ergreifen und ihre Situation zu ändern.

In Momenten in denen ich solche persönlichen Geschichten höre und an mich heran lasse fühle ich mich hilflos und bekomme Wut auf die Gesellschaft hier. Klar, für mich klingt es einfach zu sagen, „Dann fahr doch einfach Fahrrad“… aber das ändert nichts und gerade bei den existenzielleren Themen, darin, wie viele Männer die Frauen behandeln (von der horizontalen Ebene möchte ich gar nicht erst sprechen), und wie wenig Selbstbewusstsein viele Frauen hier haben, kann ich nicht mal mehr einen klugen Kommentar abgeben, sondern fühle nur Betroffenheit…

Diese Gedanken gehen dann weiter zu Themen wie Entwicklungshilfe und welche Ansätze überhaupt sinnvoll sind, und ob es überhaupt wünschenswert ist, die ganze Gesellschaft zu unterstützen, wenn man damit solche Denk- und Verhaltensweisen unterstützt. Gerade hier im lokalen Kontext wiederhole ich meine Feststellung aus einem früheren Artikel, dass die israelische Besatzung zwar sicherlich ein großer Balast ist, aber dass die Einstellung der Menschen im Umgang mit sich selbst, ihren Nächsten und ihrem Land (Umweltverschmutzung etc.) sicherlich auch zum Übel beiträgt. Diese erlernte Opferhaltung „Du bist Ausländer, du musst mir helfen“, aber nicht vor der eigenen Tür kehren wollen, die kann ich für mich nicht akzeptieren.

Was ist die Schlussfolgerung aus diesen Gedanken:

Ich komme mehr und mehr zu dem Schluss, dass gezielte langfristig angelegte Hilfe v.a. für bestimmte Zielgruppen wie Frauen und Kinder (Wertevermittlung in der Schule) und Führungspersönlichkeiten das Sinnvollste sind um etwas zu ändern. Ok, Elend abzumildern indem man humanitäre Hilfe leistet, z.B. durch das Krankenhaus oder Hilfslieferungen, ist sicher nicht falsch. Beispielsweise habe ich selbst einen kleinen Hilferuf für Teddy gestartet und kann ihr dank großzügiger Sachspenden zu Weihnachten ein paar Klamotten für ihre Kinder schenken. Trotzdem helfen solche Aktionen langfristig nicht weiter sondern im Gegenteil, sie lehren den Menschen hier und in anderen betroffenen Regionen, dass die Hilfe ja von außen kommt und sie sich nicht so stark selbst um eine Verbesserung ihrer eigenen Situation und Denkweise kümmern müssen. Vielleicht sehen sie die Schärfe der Lage und die Notwendigkeit der eigenen Verbesserungen auch gar nicht, denn durch die internationale Hilfe wird die Lage ja entschärft. Bevor man dann aber ganz gegen humanitäre Hilfe ist muss man wiederum berücksichtigen, dass einzelne Menschen vielleicht nicht die geistigen Kapazitäten haben, den Zusammenhang zwischen schlechter Lage und eigenem Verhalten zu erkennen. Vielleicht ist die Opfer-Haltung schon so eingeübt. Folge von einer verschlimmerung der humanitären Lage wäre dann möglicherweise eine Zuwendung zu extremen Parteien, was auch nicht besser ist.

Letzte Woche hat es mich mit den verschiedenen „Päckchen“ bzw. Paketen insofern hart getroffen, als dass mir viele Menschen ihr Schicksal erzählt haben. Von den Müttern im Krankenhaus, die mich im Alltag um Geld anbetteln oder von den Einladungen von Menschen zu sich nach Hause, wo sich dann herausstellt, dass der Hintergrund der war, dass sie möchten, dass ich ihren Verwandten einen Job im Krankenhaus verschaffe, war ja noch nicht einmal die Rede… .

Ich bin froh, dass es auch wieder gute Erlebnisse gibt, wie z.B. gestern ein Treffen mit Freunden hier, die eine wesentlich aufgeklärtere Denkweise haben. Viele von diesen freiheitlicher denkenden Menschen sind allerdings in den letzten Jahren ausgewandert, und dieses Fehlen einer Gesellschaftsschicht ist spürbar.

Gesegnete Weihnachten euch allen und bis bald!

Susanne

Es weihnachtet

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